Offener Brief:

Sehr geehrter Herr Heller,
wir von der Kulturinitiative Detmold e.V. sind zur Zeit in die Betreuung von Frau I., die sich derzeit im Kirchenasyl befindet, involviert.
Mit Schrecken mussten wir feststellen wie leichtfertig die ihnen unterstellten Behörden mit Menschenleben „spielen“.
Nachdem wir uns etwas intensiver mit der Geschichte von Frau I. auseinandergesetzt haben, empfinden wir es als Skandal, dass trotz ihres Krankheitsbildes und trotz der gesundheitlichen Gefahr die ihr im Falle einer Abschiebung drohen würde, so vehement an einer Abschiebung festgehalten wurde. Selbst als klar war, dass Frau I. sich im Kirchenasyl befindet wurde der Haftantrag seitens der Ausländerbehörde der Stadt Detmold aufrecht gehalten und wurde erst auf Intervention seitens des Innenministeriums zurück gezogen.
Dieses bedeutete wieder 1 ½ Stunden bloße Angst vor einer eventuellen Zurückschiebung und hat das Leiden von Frau I. noch mal wieder unnötig verlängert und verstärkt.
Einer Frau die in dem letzten halben Jahr fünf Suizidversuche hinter sich hat, so etwas anzutun grenzt für uns, ohne irgendwem etwas unterstellen zu wollen, an puren Sadismus. Das Argument, dass es in Polen sicher auch gute Behandlungsmöglichkeiten gebe, ist in diesem Fall einfach reiner Hohn, da die Suizidalität von Frau I. zum größten Teil aus der Angst heraus nach Polen zurück geschoben zu werden resultiert.
Besonders der Versuch vor ca. einem halben Jahr sie aus der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie abholen zu lassen und das Beharren, trotz Warnung der Ärzte, auf eine richterliche Anhörung, lässt uns stark vermuten, dass den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Ausländerbehörde Detmold nicht klar ist, dass sie es hier mit Menschenleben zu tun haben und nicht mit bloßen Aktenzeichen. Nach der richterlichen Anhörung, die trotz dringender Warnung von Seiten der behandelnden Ärzte, durchgeführt wurde, begann Frau I., wie zu erwarten war, einen erneuten Suizidversuch. Wäre dieser „erfolgreich“ gewesen hätten sich die Mitarbeiter der Ausländerbehörde, aber auch Sie, wegen fahrlässiger Tötung verantworten müssen.
Das unmenschliche Leiden von Frau I. muss endlich ein Ende haben. Da reicht uns auch kein Warten auf den 31. Mai und den ab da an zwingenden Selbsteintritt in das Asylverfahren seitens der Bundesrepublik Deutschland.
Wir fordern sie auf, ihre Behörden anzuweisen, einen sofortigen Abschiebeschutz für Frau I. zu bewirken, damit sie endlich in Ruhe leben kann und es nicht wieder zu einer Panikreaktion kommt und Sie sich in diesem Fall evtl. doch noch für den Tod eines Menschen verantwortlich fühlen müssten.
Desweiteren fordern wir sie auf die Arbeitsvorgänge in der ihnen unterstellten Ausländerbehörde genau zu prüfen und eine Möglichkeit zu finden, dass die Mitarbeiter der Behörde nicht unter dem Druck stehen Menschen um jeden Preis abschieben zu müssen um ihre Quoten zu erfüllen, sondern die Möglichkeit gegeben ist, dass endlich der Mensch hinter dem Aktenzeichen gesehen wird. Hier sind schon einige Städte wie Leverkusen und Mühlheim an der Ruhr, deren Ausländerbehörden nahezu jedem Flüchtling eine Aufenthaltserlaubnis erteilen und ihnen so ein Menschenwürdiges Leben zugestehen, mit gutem Beispiel vorangegangen.
Auch hier hätte die Stadt Detmold die Chance sich zumindest einmal als die, so oft zitierte, „weltoffene“ und „tollerante“ Stadt zu präsentieren indem sie bis auf weiteres sämtliche Abschiebungen aussetzt und Flüchtlinge als Mensch und nicht als Problem behandelt.

Im Auftrag der Hausversammlung der Kulturinitiative Detmold e.V.

Christian Beerlauch

Desweiteren wird dieses Schreiben unterstützt von:

Antifaschistischer Arbeitskreis Detmold
Info-Cafe „Bambule“, Detmold
Bürengruppe Paderborn
antifa Detmold
Theatergruppe „Alltag brennt“, Detmold
Detmolder Alternative
Jugendvereinigung „Sport und Stadt“, Detmold
„Heute hier, morgen dort“, Online-Terminbörse für OWL
Plenum einer Detmolder Antifa-Gruppe
rott van de rott, Musiker, Detmold
Aquiles Rösner, Hiddenhausen
Gerd Büntzly
Stephan Bosch, Leipziger Friedenspreisträger 2009
Lukas Hovanec, Paderborn
Karin Gehrke, Sprecherin des Stadtverbandes DIE LINKE Herford-Hiddenhausen
Mohammad Ebrahimi aus Herford
Helene Gehrke, Sehnde
Thomas Gehrke, Herford
ari&rott, Band, Detmold
Vegane Kochgruppe „Queerbeet“, Detmold